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Bildungswerk ver.di in Niedersachsen schult Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland

Krankenhäuser sind von akuter Personalnot betroffen. Insbesondere im ländlichen Raum finden sich zu wenige BewerberInnen für vakante Arztstellen. In Nordostniedersachsen sind zur Zeit bis zu 20 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt. Die Anwerbung von ÄrztInnen aus dem Ausland ist eine Strategie, der Situation entgegenzuwirken. Zahlreiche Personalvermittlungen haben sich darauf spezialisiert. So kamen im Klinikum Uelzen im letzten Jahr 18 neue Kollegen aus 9 Ländern hinzu, in Dannenberg ist ca. die Hälfte der Ärzteschaft international.

Während die Anerkennung der fachlichen Ausbildung im Gegensatz zu anderen Berufsabschlüssen unproblematischer möglich ist, wird im Arbeitsalltag deutlich, wie stark sich neben Verständigungsschwierigkeiten kulturelle Unterschiede auswirken. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist in Deutschland anders, ebenso wie die ausgeprägten Hierarchien, die in den hiesigen Kliniken nach wie vor vorherrschen.

Aktuell werden die internationalen Ärzte wenig begleitet, oft fangen sie von einem auf den anderen Tag an zu arbeiten, müssen Diagnosen übermitteln, Angehörigengespräche führen oder im OP auf Zuruf arbeiten. Hinzu kommen die Spezifika des deutschen Gesundheitswesens. Arztbriefe zu schreiben, das Abrechnungswesen zu durchschauen.

Im Rahmen eines EU-geförderten Projekts hat das Bildungswerk ver.di jetzt in Kooperation mit der Charité-International-Academy eine langfristige Qualifizierungsreihe entwickelt, um die internationalen Ärzte mit dem nötigen Know-how auszustatten.

Die Situation der Ärzte ist in verschiedenen Hinsichten problematisch: »Die Sprachkenntnisse sind einerseits oft nicht ausreichend, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Gleichzeitig erschweren die extensiven Arbeitszeiten ein geregeltes Privatleben. Die Folge ist eine geringe Integration und der Verbleib in der eigenen Peer group«, schildert Christian Koller, Programmkoordinator der Charité die Problemlage, »auf beruflicher Ebene sind die Informationen u?ber das deutsche Gesundheitssystem, das Medizinrecht, aber auch Kenntnisse über die Diagnostik die Felder, auf denen die Bedarfe besonders groß sind.« Die Gesprächsführung ist ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts, denn mehr als das richtige Vokabular spielt die innere Haltung und die sprachliche Umsetzung eine Rolle hinsichtlich eines langfristigen Therapieerfolgs.

Ermöglicht durch die EU-Förderung kann eine langfristige und nachhaltige Fortbildung angeboten werden. Über 18 Monate nehmen die Ärzte monatlich an einem zweitägigen Modul teil, das durch arbeitsplatzbezogene Methoden und individuelle Coachingangebote vertieft wird. »Dieses Angebot ist so in seiner Breite absolut neu und innovativ«, bewertet Trainer Tim Quester das Angebot. Martin Rosenbrock, Verwaltungsdirektor der Capio-Klinik in Dannenberg: »Wir haben ein besonderes Interesse, die Ärzte langfristig an unser Haus und an die Region zu binden. Wir bedauern, dass die Kollegen oft bis zur Berufsanerkennung bleiben und dann gehen.«

Die ausländischen Ärzte schließen eine Lücke. Doch es ist keineswegs so, dass es nicht ausreichend Mediziner gäbe, allerdings arbeiten von den Medizinabsolvierenden aktuell nur 48 Prozent am Patienten. Der überwiegende Teil zieht andere Tätigkeitsbereiche vor.

Wir wollen im Rahmen des Projekts auch erheben, was die Gründe sind, dass sich die Mediziner gegen die Tätigkeit in Krankenhäuser und Praxen entscheiden. Und was die Träger ggf. an Handlungsmöglichkeiten haben, um diese stillen Reserven vielleicht wieder zu gewinnen.

Anja Kramer, Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e.V. Region Lüneburg

 

"Weiterbilden mit der EU" - Artikel aus der AiBplus (01/2011)

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