Gute digitale Arbeit in Finanzdienstleistungen und Versicherungen

Handlungsbedarf

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant. Zentrale Fragen des Arbeitsalltags wie die sich unter dem digitalen Einfluss wandelnden Arbeitsweisen und -beziehungen der Menschen fordern neue Antworten ein. Positiven Aspekten wie etwa einer flexibleren Arbeitsgestaltung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder mehr Flexibilitätsoptionen stehen Gefahren wie mögliche Überlastungen durch zum Beispiel permanente Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung und Entgrenzung gegenüber.

Handlungsbedarf besteht insbesondere in den Branchen der Finanzdienstleistungen und Versicherungen, die unter anderem durch Markt- und Kostendruck, Internet-Konkurrenten (Versicherungsportale wie Check24, Online-Banken etc.) und einer hohen Algorithmisierbarkeit enormen Änderungsprozessen unterworfen sind. 

Projektziele & Handlungsfelder

Zielsetzung des Projektes „Gute digitale Arbeit“ ist es, bei drei Projektpartnern dieser Branche Hindernisse und Erfolgsfaktoren für die Gestaltung guter digitaler Arbeit zu identifizieren und auf Basis der Ergebnisse Qualifizierungskonzepte für Beschäftigte und Führungskräfte sowie Interessenvertretungen zu entwickeln und umzusetzen. Es gilt, ein unternehmensweites Verständnis dafür aufzubauen, dass die Gestaltung von Guter digitaler Arbeit ein Sozio-Management des digitalen Wandels darstellt. Dabei ist es ein zentrales Erfordernis, diesen Wandel als sozialpartnerschaftliches Gemeinschaftsprojekt transparent zu gestalten. 

Vor dem Hintergrund des neu abgeschlossenen Zukunftstarifvertrags der Versicherungsbranche sollen die dort benannten Punkte durch das Projekt flankiert und umgesetzt werden. Zur langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze soll es auch darum gehen, die Innovationsfähigkeit zu stärken und im Sinne einer zukunftsorientierten Personalentwicklung die Kompetenzen der Beschäftigten zu analysieren, um Anpassungsqualifizierungen und alternative Beschäftigungspfade zu entwickeln.

Die überfachlichen Qualifizierungen orientieren sich an den fünf Schwerpunkt-Handlungsfeldern:

Handlungsfeld 1:
Digitalisierungsstrategie und -struktur

Voraussetzung für die Gestaltung Guter digitaler Arbeit in der eigenen Organisation ist das Sichtbarmachen der Auswirkungen und Effekte durch Digitalisierung im Sinne einer Ursache-Wirkungs-Kette – nicht nur in Bezug auf die Organisation als Gesamtgefüge und ihre Produkte und Prozesse, sondern explizit auch auf die Beschäftigten aller Ebenen. Es braucht eine Digitalisierungsstrategie, die nicht nur die technische Dimension in den Blick nimmt, sondern auch eine arbeits- und organisationspsychologische Perspektive gibt. Eine Strategie, die ein gesamthaftes, systemisches Verständnis von Digitalisierung und dessen Auswirkungen entwickelt.

Handlungsfeld 2:
Mitarbeiterführung und -kultur

Für die Unternehmenskultur und Führungsarbeit bedeutet die Digitalisierung eine fundamentale Veränderung. Rollen und Aufgaben ändern sich, die Arbeit wird neu verteilt –zwischen Abteilungen und Beschäftigten, zwischen Mensch und Maschine. Arbeit wird zunehmend komplexer und ist gekennzeichnet durch Vernetzung, Schnelllebigkeit, die stetige Einführung technischer Innovationen und einen permanenten Veränderungsprozess. Durch die Technisierung der Arbeitsplätze, die Implementierung neuer Kommunikations-Technologien, durch die Dezentralisierung von Arbeitsstrukturen und durch vernetztes Arbeiten über Standortgrenzen der Organisation hinaus, wird Kommunikation ein zentraler Bestandteil von Führungsarbeit. Ein modernes Verständnis von Kultur und Führung setzt dabei auf soziale Kompetenzen, Motivation, Unterstützung und Führung als gemeinschaftlicher Aufgabe in Abteilungen und Teams. Mitbestimmung als integraler Bestandteil der Unternehmenskultur und Ausdruck gelebter Demokratie sowie die Bereitschaft für ein gemeinsames Entwickeln und Erproben von Lösungen unterstützen die Gestaltung vertrauensvoller Beziehungen – das höchste Gut im Miteinander der Arbeitswelt.

Handlungsfeld 3:
Qualifizierung und Lernen

Durch die Digitalisierung verändern sich Berufsbilder und Qualifikationsprofile, zum Teil entstehen neue Berufe. Weiterbildung und Qualifizierung sind dabei der Schlüssel, um Fachkräfte zu gewinnen, Beschäftigungsmöglichkeiten zu erhalten und das eigene Berufsleben selbstbestimmt zu gestalten. Der digitale Wandel selbst stellt dabei einen kontinuierlichen Lern- & Entwicklungsprozess dar. Auch die Personalentwicklung und betriebliche Fortbildungen bedürfen einer strategischen Ausrichtung – als Teil der Digitalisierungsstrategie und im Verbund zwischen Personalentwicklung und betrieblichen Interessenvertretern.

Handlungsfeld 4:
Gesundheit und Zufriedenheit

Gute digitale Arbeit gestalten, heißt vor allem auch, gesunde, humane Arbeit zu gestalten. Wünschenswert wäre es, ein Verständnis von gesunder Arbeit zu etablieren, das über bestehende gesetzliche und tarifliche Regelungen hinaus geht und eine innerbetriebliche Kultur geteilter Verantwortung Aller im Unternehmen für Gesundheitsförderung und Prävention verankert. Ein Verständnis, das Gesundheit nicht als Abwesenheit von Krankheit betrachtet, sondern als einen Zustand, in dem wir unsere Fähigkeiten voll ausschöpfen können – ein ganzes Berufsleben lang.

Handlungsfeld 5:
Kommunikation und Information

Smart Service Welt, intelligente Vernetzung, Big Data – durch die fortschreitende Weiterentwicklung von Technologien entstehen völlig neue Möglichkeiten zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Die meisten Unternehmen haben die Potenziale in der Kundenkommunikation mittlerweile bereits systematisch und professionell erschlossen. Bei der betriebsinternen Kommunikation und Information gibt es jedoch überraschend oft noch Nachholbedarf.
Die Anpassung der internen Kommunikations- und Informationsstrukturen sollte sich am Nutzen für die Beschäftigten orientieren – und nicht nur aus markt- und effizienzgetriebener Sicht geschehen. Ziel sollte es sein, die Vielzahl der digitalen Medien und Technologien mit den Kommunikationsbedürfnissen der Mitarbeiter in Einklang zu bringen.

Projektumsetzung

Zunächst wird in den Partnerbetrieben eine systematische Standortbestimmung mit Blick auf die fünf definierten Handlungsfelder vorgenommen. Qualitatives Instrument sind teilstrukturierte Interviews mit Führungskräften, Beschäftigten und Interessenvertretungen sowie Mitarbeiterbefragungen. Die angewandten Interviewleitfäden wurden im Rahmen eines Vorläuferprojektes entwickelt und bereits erfolgreich bei den Organisationen NDR, Deutsche Rentenversicherung und T-Systems erprobt.

Im Anschluss werden konkrete Lösungsansätze erarbeitet sowie Qualifizierungen, Seminare und Workshops für Führungskräfte, Beschäftigte und Betriebs-/ Personalräte durchgeführt. Die Schwerpunktsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit den Unternehmen und richtet sich nach den aktuellen betrieblichen Bedarfen.

Bei den Qualifizierungsangeboten sind folgende Themen im Fokus:

1.    Führen im digitalen Wandel
2.    Gute digitale Arbeit für Beschäftigte
3.    Betriebsratsarbeit 4.0
4.    Innovationsmanagement und innovative Techniken
5.    Personalentwicklung
6.    Gesundes Arbeiten und psychologisches Empowerment für Führungskräfte und Beschäftigte
7.    Prozessmanagement
8.    Einzelangebote zu Arbeitsschutz, Arbeitszeit, Datenschutz

Förderung

Das Projekt „Gute digitale Arbeit in Finanzdienstleistungen und Versicherungen“ wird im Rahmen des Programms „Fachkräfte sichern, weiterbilden und Gleichstellung fördern“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Das Projekt läuft bis 31. August 2021.

Projektlaufzeit

01.09.2018 bis 31.08.2021

Gefördet durch:

Projektleitung

Anja Kramer

Fon: 04131 699 67-12
anja.kramer(at)bw-verdi.de

Projektleitung und -koordination

Verena Pfleger

Fon: 04131 699 67-24
verena.pfleger(at)bw-verdi.de

Verwaltung

Ina Hämmerling

Fon: 04131 699 67-15
ina.haemmerling(at)bw-verdi.de